AKTIONSRÄUME DER PHANTASIE

Es gibt im Leben eine Grunddramaturgie, die bestimmte Wege unausweichlich vorzeichnet. Hat man dies erst einmal begriffen, verschwindet die Angst. Denn wenn man Weiß, was zwangsläufig kommt, kann man es in Ruhe erwarten. Das hat zwei Folgen: Erstens kann man Dinge geschehen lassen und annehmen wie sie nun einmal sind. Und da zeigt sich, dass die Welt ein komplexes Wunder ist. Man muss nicht ständig in die Trickkiste greifen, man muss es nur geschehen lassen.

Der Pinsel geht seinen eigenen Weg und der Meister steht staunend dabei. 

Zweitens: der horror vacui verschwindet. Die Leere ist nicht mehr Panikzustand, der mit allerlei Exzessen überwunden werden muss. Leere ist plötzlich einer der großen Aktionsräume der Phantasie. 

Der Lebenskünstler agiert in diesem leeren Raum und lässt zu, was das Leben zulässt.

(Peter Guth)